Wir hatten einige Jahre einen Gasgrill, der alles konnte. App-Steuerung, Gasflaschenwaage, Temperaturfühler am Rost, Bedienpanel mit zusätzlichen Fleischthermometern. Auf dem Papier großartig. In der Realität stand ich alle paar Wochen davor und habe repariert statt gegrillt.
Schickling Rocket im Test: Zwei Monate mit dem stärksten Gasgrill, den wir je hatten
Der Schickling Rocket wurde uns von Schickling Grill kostenlos zur Verfügung gestellt. Auf den Inhalt dieses Beitrags hat der Hersteller keinen Einfluss genommen.
Burger Patties selber machen
Die Waage zeigte Unsinn an. Die Brenner waren regelmäßig verstopft, obwohl diese abgedeckt waren. Ein Temperaturfühler nach dem anderen ging kaputt, dann musste das komplette Bedienteil getauscht werden, und der herstellereigene Druckminderer gab gleich zweimal den Geist auf.
Ich mag technischen Spielkram. Wirklich. Aber irgendwann war der Punkt erreicht, an dem ich einfach nur noch einen Grill wollte, der funktioniert.
Seit knapp zwei Monaten steht deshalb der Schickling Rocket bei uns auf der Terrasse. Mehrmals wöchentlich im Betrieb. Und dieser Beitrag ist unser ungefiltertes Fazit.
Warum es ausgerechnet der Schickling Rocket wurde
Nach der Erfahrung mit dem einem anderen Gasgrill mit smarten Funktionen, habe ich nicht selbst recherchiert, sondern gefragt. Bei Leuten, die jeden Tag an Grills stehen und nicht auf Datenblätter reinfallen. Unter anderem bei unserem lieben Freund, Grillweltmeister Oliver Sievers.
Die Empfehlung war eindeutig. Kein Gerät mit möglichst vielen Funktionen, sondern eines, bei dem die Grundlagen stimmen: Material, Brennerleistung, Verarbeitung. Der Rocket ist genau das. Und, für uns nach der Vorgeschichte fast der wichtigste Punkt: An ihm ist nichts dran, was kaputtgehen kann. Kein Display, keine Platine, keine Firmware.
Schickling fertigt in Visbek in Niedersachsen, dem Heimatland von Theres. Der Rocket kostet aktuell 3.195 Euro und wird direkt vom Hersteller verkauft.
Lieferung und Aufbau: Es gibt keinen Aufbau
Der Rocket kommt per Spedition komplett montiert auf einer Palette. Kein Karton voller Schrauben, keine Anleitung mit 40 Schritten, kein verlorener Nachmittag.
Bei uns war es tatsächlich: Schutzfolien abziehen, Roste und Bleche einlegen, einmal einbrennen, grillen.
Was du bedenken solltest: Das Gerät wiegt 110 Kilo. Die Spedition liefert bis Bordsteinkante. Wenn dein Weg zur Terrasse Stufen hat, brauchst du zwei kräftige Leute und einen Plan. Auf ebenem Untergrund übernehmen danach die Rollen den Rest.
Und die Rollen sind ein Kapitel für sich. 125 Millimeter Durchmesser, jede einzelne trägt 150 Kilo, alle mit Feststellbremse und verdrehgesichert. Das ist Industriequalität und kein Baumarktzubehör. Ich schiebe den Grill mit einer Hand über die Terrassenfugen.
Verarbeitung: Wo die 3.195 € beim Schickling Rocket landen
Der Rocket besteht komplett aus Edelstahl, und Schickling geht dabei differenziert vor. Für die stark beanspruchten Brennerabdeckungen kommt V4A zum Einsatz, für Brenner und Roste V2A, für Teile außerhalb der Hitzezone 1.4016.
Das klingt nach Datenblatt, hat aber einen praktischen Effekt: Der Grill altert gleichmäßig. Man sieht nicht nach einer Saison, welches Bauteil zuerst schlappmacht.
Was uns im Alltag mehr beeindruckt als jede Materialangabe:
Die Schubladen. Zwei Stück, 20 und 30 Liter, komplett ausziehbar, mit doppelwandigen Fronten und Soft Close. Auch die Schranktür für die Gasflasche hat ein Soft-Close-Scharnier. Nichts klappert, nichts scheppert.
Der Deckel. 30 Zentimeter hoch, komplett doppelwandig, mit einer zweiten herausnehmbaren Ebene. Selbst die Endkappen im Griff sind aus Edelstahl gedreht.
Der Rost. Acht Millimeter Edelstahl, aufgeteilt in vier Elemente. Handlich genug, um einzelne Segmente rauszunehmen und gegen Plancha, Wok oder Grillschale zu tauschen.
Und dann ist da noch der Punkt, den ich am wenigsten erwartet hatte: Bei voller Hitze kannst du die Bedienknöpfe und die Seitenablagen anfassen. Ohne Handschuh, ohne zu zucken. Ich habe kürzlich an einem Grill für 7.000 Euro gestanden, bei dem das nicht funktioniert hat. Das ist keine Kleinigkeit, sondern etwas, das du bei jeder einzelnen Session merkst.
Die Power: 28 kW, 800 Grad und eine Zündung, die schneller kaum geht
Vier Hauptbrenner mit je 5 kW. Dazu ein Keramik-Seitenbrenner mit 4,5 kW, der bis zu 800 Grad schafft, und ein 50 Zentimeter langer Backburner mit 3,5 kW für den Drehspieß. Macht 28 kW Gesamtleistung.
In Zahlen sagt einem das wenig. In der Praxis:
Der Rocket zündet in knapp einer Sekunde. Eine Hilfsflamme sorgt dafür, dass jeder Brenner beim ersten Drehen anspringt. Kein dreimal Klicken, kein Warten, kein „ist er jetzt an oder nicht“. Nach zwei Monaten hat er kein einziges Mal gezickt.
Nach 3 Minuten stehen 200 Grad am Deckelthermometer. Ok, der Grill steht hier in der Sonne und wir haben eine Außentemperatur von 29°C, dennoch ein großartiger Wert! Am frühen Morgen, im Schatten, erreicht er die 200°C aber trotzdem innerhalb von 3,5 Minuten. Und danach ist noch reichlich Luft: Er geht problemlos deutlich über 400 Grad, wenn du das willst.
Wir haben keine Laborwerte mit Fühlern an sechs Punkten ermittelt. Das ist nicht unsere Art zu testen. Wir haben zwei Monate lang gegrillt und geschaut, was passiert.
Hitzeverteilung: Der Punkt, der uns wirklich überrascht hat
Wenn ich aus diesen zwei Monaten eine einzige Sache herausgreifen müsste, wäre es diese.
Die Hitzeverteilung über die Grillfläche von 71 mal 45 Zentimetern ist fast durchgängig gleichmäßig. Keine Zone, in der die Bratwürste plötzlich verkohlen, während drei Zentimeter weiter nichts passiert. Kein Nachsortieren, kein Rotieren, kein Rätselraten, wo der Sweet Spot liegt.
So gleichmäßig haben wir das an keinem Grill vorher erlebt. Bei einem voll belegten Rost mit Burgern für die ganze Familie ist das der Unterschied zwischen entspannt und hektisch.
Was wir in zwei Monaten auf dem Schickling Rocket gemacht haben
Der Rocket ist bei uns kein Vorführgerät, sondern der Grill, auf dem das Abendessen entsteht. Quer durch alles:
- Flach gegrillt bei geöffnetem Deckel: Bratwurst, Steaks, alles, was schnell geht
- Burger für die ganze Runde, voll belegter Rost
- Quesadillas auf der Plancha (Zubehör, muss extra gekauft werden)
- Schweinebauch, in Scheiben und am Stück
- Steaks, direkt scharf und über den Seitenbrenner
- Indirekt gebacken mit geschlossenem Deckel
- Spieße aller Art
Bemerkenswert dabei: Ein Grill mit 28 kW könnte theoretisch das Problem haben, dass er nach unten nicht regelbar ist. Hat er nicht. Auf der allerkleinsten Stufe grillen wir problemlos flach vor uns hin. Die Spanne zwischen „heiß genug“ und „über 400 Grad“ bekommt er beides hin, und das ist keine Selbstverständlichkeit.
Seitenbrenner, Backburner und Drehspieß
Der 800-Grad-Keramikbrenner sitzt rechts in der Seitenablage und hat eine eigene Fläche von 36,5 mal 23,5 Zentimetern mit 8-Millimeter-Edelstahlrost. Für Steaks, für eine Pfanne, für Gemüse. Der große Vorteil gegenüber einem separaten Oberhitzegrill: Du stehst nicht an zwei Geräten, sondern an einem.
Der Drehspieß ist beim Rocket im Lieferumfang enthalten, samt 12-Watt-Motor, Schaltersteuerung und vier Fleischklammern. Das ist erwähnenswert, weil er bei vielen Herstellern in dieser Preisklasse Zubehör ist, für das du nochmal dreistellig hinlegst. Zusammen mit dem 50 Zentimeter langen Infrarot-Backburner ist das Hähnchen-Setup komplett, ohne dass du irgendwas nachkaufen musst.
Fettmanagement und Reinigung
Eine große, angeschrägte Fettwanne läuft auf Soft-Close-Auszügen und leitet alles in eine GN-Schale darunter. Rausziehen, entnehmen, reinigen.
Klingt banal. Ist es nicht. Hier ist alles leicht erreichbar, und weil eine handelsübliche GN-Schale das Fett auffängt, brauchst du keine Spezialteile vom Hersteller nachzukaufen.
Die vierteiligen Roste kannst du einzeln herausnehmen. Auch das macht den Unterschied zwischen „mach ich nächste Woche“ und „mach ich eben schnell“. Aber gerade die Roste reinigst du einfach per Pyrolyse. Grill voll aufheizen, warten bis alles weggebrannt ist, abkühlen lassen, abbürsten, fertig!
Was uns fehlt: zwei ehrliche Wünsche
Ich habe lange überlegt, was ich hier reinschreibe, und die ehrliche Antwort ist: Es stört uns nichts.
Das ist eine ungewöhnliche Aussage für einen Produkttest, und sie hat einen Grund. Nach der Vorgeschichte mit dem Vorgänger ist genau das Fehlen von Technik das, was ich am meisten schätze. Es gibt nichts, was ausfallen kann.
Trotzdem, wenn ich zwei Wünsche frei hätte:
Eine Innenraumbeleuchtung, die angeht, sobald der Deckel geöffnet wird. Im Winter grillst du hier ab 17 Uhr im Dunkeln. Wir haben eine Beleuchtung auf der Terrasse, aber dennoch wäre das ganz nice.
Eine Gasflaschenwaage. Ja, ausgerechnet. Bei unserem alten Grill war sie die erste Funktion, die nicht mehr richtig lief. Aber wenn sie zuverlässig funktioniert, will man sie nicht mehr missen.
Beides sind Komfortpunkte, keine Mängel. Es sind die Dinge, die man sich wünscht, wenn sonst alles passt und wer weiß, was da noch kommt.
Für wen lohnt sich der Rocket, für wen nicht?
Schon wenn einer dieser Punkte auf dich zutrifft, solltest du dir den Schickling Rocket intensiv anschauen.
Passt zu dir, wenn:
- du regelmäßig für zwei oder mehr Leute grillst
- du einen Grill willst, den du wahrscheinlich noch deinen Kindern vererben kannst
- dir Verarbeitungsqualität wichtiger ist als technische Spielereien
- du genug Platz für ein 110-Kilo-Gerät auf Rollen hast
- du Wert auf Fertigung in Deutschland und direkten Kontakt zum Hersteller legst
Passt eher nicht, wenn:
- du App-Steuerung, 4 Temperaturfühler und Bluetooth-Anbindung willst. Die gibt es hier bewusst nicht
- du deinen Grill regelmäßig im Auto transportierst, denn dafür ist er einfach zu groß
- dein Budget deutlich unter 3.000 Euro liegt. Dann schau dir eher die kleineren Schickling-Modelle an
Technische Daten Schickling Rocket
| Preis | 3.195 € (inkl. MwSt., zzgl. Versand) |
| Gesamtleistung | 28 kW |
| Hauptbrenner | 4 × 5 kW |
| Seitenbrenner | Keramik, 4,5 kW, bis 800 °C, 36,5 × 23,5 cm |
| Backburner | Keramik, 3,5 kW, 50 cm |
| Grillfläche | 71 × 45 cm |
| Grillrost | 8 mm Edelstahl, vierteilig |
| Deckel | 30 cm hoch, doppelwandig, zweite Ebene |
| Temperaturbereich | 100 – 500 °C |
| Material | V4A (1.4571), V2A (1.4301), 1.4016 |
| Gewicht | 110 kg |
| Stauraum | 2 Soft-Close-Schubladen (20 + 30 l), Fach für 11-kg-Flasche |
| Rollen | 4 × 125 mm, je 150 kg Tragkraft, mit Feststellbremse |
| Im Lieferumfang | Drehspieß mit 12-W-Motor und 4 Fleischklammern |
| Lieferung | komplett montiert per Spedition |
| Herstellung | Visbek, Deutschland |
Häufige Fragen zum Schickling Rocket
Bei uns stehen nach etwa 15 Minuten 200 Grad am Deckelthermometer. Danach geht er problemlos weit über 400 Grad.
Nein. Er kommt komplett montiert auf einer Palette per Spedition. Schutzfolien abziehen, Roste und Bleche einlegen, einbrennen, fertig.
Ja. Auf der kleinsten Stufe grillen wir flach ohne Probleme. Die Regelbarkeit nach unten funktioniert genauso gut wie die Power nach oben.
Nein, und das ist Absicht. Es gibt kein Display, keine Sensorik und keine Verbindung zum Handy. Für uns nach den Erfahrungen mit unserem Vorgänger ein Vorteil.
Ja. Der Drehspieß mit 12-Watt-Motor und vier Fleischklammern gehört zum Lieferumfang.
Er ist komplett aus Edelstahl und dafür gebaut. Eine passende Abdeckhaube gibt es von Schickling für 59,50 Euro, und die würden wir immer dazunehmen.
Eine 11-kg-Flasche. Im Fach sitzt eine Schnellkupplung, mit der du sie werkzeuglos wechselst.
Unser Fazit nach zwei Monaten
Wir hatten vorher einen Grill, der uns beschäftigt hat. Jetzt haben wir einen, der grillt.
Der Rocket macht nichts Spektakuläres. Er zündet, wenn man ihn anmacht. Er wird heiß, gleichmäßig heiß, und lässt sich trotzdem runterregeln. Man kann ihn anfassen, auch wenn er läuft. Er lässt sich sauber machen, ohne dass man sich vorher überwinden muss. Und er fühlt sich in jedem einzelnen Handgriff nach einem Gerät an, das jemand gebaut hat, der selbst grillt.
3.195 Euro sind kein Impulskauf. Aber wenn du dir die Frage stellst, ob ein High-End-Gasgrill den Aufpreis wert ist, dann ist unsere Antwort nach zwei Monaten Dauereinsatz: In diesem Fall ja.
Lade Inhalte...