Rezension: Jamies Wohlfühlküche – Essen, das glücklich macht

Bei Jamie Oliver verhält es sich, glaube ich wie bei Tim Mälzer, entweder man mag ihn oder man mag ihn nicht. Wir haben einige Kochbücher von ihm bei uns im Regal stehen, aber das wir wirklich ständig in eines seiner Bücher schauen und es von A bis Z toll finden, nein, das war bei keinem Buch bislang so. Das Jüngste seiner Kochbücher heißt „Jamies Wohlfühlküche: Essen, das glücklich macht*“. Seinen Vorgänger „Cook clever mit Jamie*“ haben wir uns gar nicht erst zugelegt, weil wir es beim Durchblättern nicht gut fanden. Gottseidank ist das bei diesem Exemplar anders. Warum, dass lest ihr jetzt:Erster Eindruck
Das Buch hat einen halben Umschlag, den ich leider total unnötig und falsch finde. Beim Blättern fällt er ab und ich habe ihn ganz schnell grundsätzlich abgemacht und in eine Ecke des Kochbuchregals verbannt. Beim Durchblättern fallen die von David Loftus (Haus- und Hoffotograf bei Jamie) toll gemachten Fotos auf, die zum Teil ganze Doppelseiten füllen. Es macht auf jeden Fall Lust auf die Gerichte!

Gestaltung
Die allermeisten Rezepte sind gleich aufgebaut. Rechtsseitig befindet sich ein Foto oder mehrere Fotos vom Gericht und seiner Herstellung. Auf der linken Seite haben wir dann das Rezept. Eine Spalte ganz links gibt immer die Zutaten an. Der Text daneben beginnt mit einer kurzen Einleitung, was Jamie mit diesem Gericht verbindet (farblich abgesetzt) und dann geht die Anleitung zur Zubereitung los. Manchmal sind mir die Texte für die Rezepte zu lang geschrieben. Das ist aber, wenn ich die anderen Jamie Bücher betrachte, ein generelles Ding von ihm. Er schreibt anscheinend gerne halbe Romane zu seinen Rezepten. Unnötig finde ich auch die Familienfotos von ihm, die zum Teil ganze Doppelseiten füllen. Ich weiß nicht, ob er damit auf eine bestimmte Seitenanzahl kommen wollte. Meiner Meinung nach, muss das bei einem Kochbuch nicht sein.jamie_2

Inhalt
Starten wir jetzt mit dem Wesentlichen eines Kochbuchs – dem Inhalt. Das Buch beginnt mit einer Einleitung von Jamie, was er unter Wohlfühlküche versteht, was das Besondere an seinem Buch ist und was es von seinen Anderen abgrenzt. Das erste Kapitel umfasst die Nostalgie – Kindheitserinnerungen, Lieblingsgerichte und Traditionen. Es beinhaltet Rezepte wie den Sheperd’s Pie, Schnitzel und einen Retro-70er Jahre-Salat. Das Hähnchen-Schawarma steht ganz oben auf der Nachkochliste: Einziges Problem wir müssten umziehen, damit wir im Garten (bislang haben wir nur einen Balkon) ein Kohlenfeuer errichten können, um das Schawarma darauf zubereiten zu können. Aber das Bild ist sooo lecker…
Das zweite Kapitel handelt von der Guten Laune Küche – Essen, das ein Lächeln auf jedes Gesicht zaubert. Hier zaubert Jamie den weltbesten Burger, ein Nasi Goreng (das mich leider vom Namen abschreckt – böse Kindheitserinnerungen an Pseudo-Nasi-Goreng mit ner Fertiggewürzmischung eines bekannten Tütensuppen-Herstellers… Brrrr, es schüttelt mich immer noch). Der ghanaische Hühnertopf wurde zusammen mit Idris Elba (einige von euch kennen vielleicht die Krimiserie „Luther“; er ist auch im Gespräch als der nächste James Bond [bitte, bitte, bitte, JAAAAA]) gekocht. Das Kapitel ist insgesamt viel internationaler als das erste. Daraus gekocht haben wir bereits den Bloody-Mary-Braten zu Herrn Gernekochens Geburtstag. Der war ok, aber das ich ihn mit dem Cocktail in Verbindung bringe, hat leider nicht geklappt. Vielleicht hätte ich mehr Alkohol zugeben müssen.
Im dritten Kapitel, Muntermacher – Essen, das die Stimmung hebt, geht es zu Beginn sehr asiatisch zu: Bun-Cha und japanische Nudelsuppe und die traditionelle vietnamesische Pho-Suppe. Die polnischen Piroggi sehen zwar lecker aus, aber wenn man schon mal auf einem urpolnischen Bauernhof war und die polnische Großmutter der Bauernfamilie Piroggi selber herstellt, will man leider nichts anderes als diese Piroggi wiederhaben. Daraus gekocht haben wir bereits die Koshari al Forno. Sehr lecker, auch wenn wir bei uns nicht alle Zutaten dafür gefunden haben.
Rituale – Hier kommt das wahre Glück, umschreibt das vierte Kapitel. Hier finden sich Gyozas (superleckere, japanische Ravioli), Nudeln in allen Varianten, die Jamie zusammen mit Genarro Contaldo, einem seiner Lehrmeister, gekocht hat. Er stellt außerdem vor, wie man Krakauer selber machen kann (auch hier ein freundliches Hallo an unseren nicht vorhandenen Garten). Die Moussaka haben wir bereits selber nachgekocht und war sehr lecker. Allerdings fand ich den Aufwand sehr hoch, weswegen die nächste Moussaka von meiner besseren Hälfte gekocht werden wird.moussakaDas vorletzte Kapitel umfasst die kleinen Sünden – Einfach, richtig gut und eine kleine Sünde wert. Angelacht hat uns da das Eins-A-Käsetoast und das Südstaaten-Backhuhn. Die chinesischen Ribs haben wir abgewandelt und bereits nachgekocht. Und auch wenn ich weder auf Zimt oder Sternanis oder beides zusammen stehe, waren sie wirklich sehr, sehr lecker. Und gegen ein Steak-Zwiebel-Sandwich habe ich eh nichts einzuwenden.
Der Abschluss bildet Süßes Glück – Desserts und andere Süßigkeiten. Hier stellt Jamie verschiedene Kuchenvarianten vor, ebenso Eiscremes und er wagt sich an die urdeutsche Schwarzwälder Kirschtorte. Die Nachbackliste wurde erweitert um die Erdnussbutter-Brownies, auch wenn es allein beim Lesen schon Plopp! auf meinen Hüften macht.

Fazit
Das Buch hat bei uns mittlerweile schon einen festen Stammplatz im Kochbuchregal und zählt definitiv zu den Besten unter Jamies Büchern. Wer es sich zulegt, wird nicht enttäuscht sein, da es Tradition ebenso mitbringt wie Exotischeres. Für jeden Geschmack ist etwas dabei und wenn man sich etwas traut, wie bei den Spareribs, der wird nicht enttäuscht werden.

Jamies Wohlfühlküche: Essen, das glücklich macht (Gebundene Ausgabe)
by Jamie Oliver

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